Heinz Egger: «unbewacht im Gelände»
Heinz Egger ist ein Maler-Poet, ein Meister der differenzierten Verknappung und
der vielschichtigen Vertiefung. Das zeigt sich beispielsweise in der langjährigen
Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Klaus Merz; aus dieser Kooperation ist soeben der
Gedichtband «Aus dem Staub» erschienen, zu dem Egger wiederum frei assoziierende
Bilder schuf. Um Freiheit geht es auch in der neue Bildserie, allerdings um eine prekäre,
gewagte. Das jedenfalls verspricht der Ausstellungstitel: «unbewacht im Gelände». Das
Gelände – das ist einerseits die Malerei selbst, ein Gebiet, auf dem sich Egger mit einer
meisterhaften Sicherheit bewegt, indem er Verunsicherung und also die Reflexion des
Mediums immer wieder zulässt. Das Gelände ist andererseits das Feld des Bildhaften, der
Gegenstände, die in der und durch die Malerei auftauchen, um zugleich jedoch wieder
teilweise im präzis gesetzten Ungewissen einzutauchen. Diese Dialektik, die Eggers
Malerei auszeichnet, kommt auch im ersten Teil des Titels zum Ausdruck: «unbewacht».
Das führt, bezieht man das Wort auf ein konkretes Feld, eine Weite vor Augen, die
ihrerseits zugleich prekär ist, weil man ausgesetzt ist oder eben einen unbewachten
Moment erwischt. Unbewacht meint auf einer anderen Ebene den Akt der Malerei selbst:
Egger will Schranken meiden, sich malerisch selbst aussetzen, etwas wagen, und so schafft
er – das Gegenteil eines Malers, der aus dem Bauch heraus arbeitet – gewissermassen
malerische Essays. Was dabei bildhaft entsteht, sind Gelände, die Erinnerungen und Orte
assoziieren und ahnen, auftauchen und wieder verwischen lassen. Und wie das der
Erinnerung eigen ist: Sie ist stets ambivalent, ungewiss zwischen Angst, Bedrückung und
ganz lichten Momenten oszillierend.
Text: Konrad Tobler, Kulturkritiker, Bern
Zu den Bildern Heinz Eggers.